Mistelbach Pride 2026: Gemeinsam für Sichtbarkeit, Vielfalt und Zusammenhalt

Die bunte Mistelbach Pride Demonstration im Herzen des Weinviertels findet am 30. Mai statt. Sie leitet die Pride-Saison in Österreich ein, in der für Sichtbarkeit und einen offenen Austausch über die Rechte von LGBTQIA+ Menschen auf den Straßen demonstriert wird. Bei der Pressekonferenz vor dem lokalen Barockschlössl standen die niederösterreichische Drag Queen Kaisa Schmoan, der Bürgermeister Mistelbachs Erich Stubenvoll und der Obmann des Vereins Mistelbach Pride Michael Rabl Rede und Antwort.

“Sind kein Großstadtexport”

Die Drag Queen Kaisa Schmoan, die die Mistelbach Pride 2026 moderieren und auf dem Traktor anführen wird, kommt selbst aus Niederösterreich. Für sie ist es das erste Mal, dass sie eine ländliche Pride Parade als Gallionsfigur anführen wird. Als junge queere Person am Land aufzuwachsen ist ihr aber alles andere als fremd. 

“Für mich ist die Mistelbach Pride schön und wichtig. Etwas, das ich in meiner eigenen Jugend gebraucht hätte. Gerade Menschen am Land müssen sehen, dass wir kein Großstadtexport sind. Uns gibts überall. Ich bin ursprünglich aus Hollabrunn, später nach Wien gezogen und komme jetzt für die Mistelbach Pride wieder zurück aufs Land. So schließt sich der Kreis”, meint Kaisa Schmoan und kann dabei ein Lächeln nicht unterdrücken.

“Pride ist mehr als Sex und Sexualität”

Schon seit 2022, also von Anfang an dabei, ist Mistelbachs Bürgermeister Erich Stubenvoll. Letztes Jahr lenkte er einen Traktor, der die Parade durch die Weinviertler Gemeinde begleitete.  Der ÖVP-Bürgermeister betont, wie wichtig lokale Repräsentation von queeren Lebensrealitäten ist.

“Besonders in der heutigen Zeit, sind Veranstaltungen wie die Mistelbach Pride umso wichtiger. Bei der Pride geht es um mehr als Sex und Sexualität. Es geht darum, Barrieren abzubauen und persönliche Scheu abzulegen. Jeder soll so leben dürfen und frei in unserer Gesellschaft bewegen dürfen, wie er ist.”

“Wir sind Teil der Kultur“

Aber auch die Mistelbach Pride erfährt Widerstand. So wurde die Kulturförderung der Landesregierung für Pride Paraden gestrichen, was auch den Verein Mistelbach Pride empfindlich trifft. Die Streichung der Förderung für niederösterreichische Pride Paraden wird seitens der Landesregierung damit begründet, dass “Pride Paraden nicht als niederösterreichische Kultur gelten”.

Dem entgegnet Michael Rabl, Obmann der Mistelbach Pride: “Die Mistelbach Pride ist sehr wohl Teil der Kultur. Wir arbeiten mit regionalen Partnern zusammen. Der queere Gottesdienst “Pride Prayer” in der evangelischen & katholischen Kirche Mistelbach ist mittlerweile fester Bestandteil unseres Programms. Die Stadtkapelle Mistelbach untermalte die letzten zwei Jahre unser Frühschoppen am Hauptplatz. Ein Oldtimer-Traktor, der früher im Weingarten eingesetzt wurde, führt unsere Parade an. Was passt daran nicht zur niederösterreichischen Kultur?”

Der Obmann ist trotzdem zuversichtlich. „Wir machen weiter. Unsere Hand ist immer ausgestreckt, für alle,“ schloss Rabl.

Text: Sebastian Brandstätter

Fotos: Hans-Peter Stangl