Starkregen, Sonnenschein und ganz viel Zusammenhalt

So war die 5. Mistelbach Pride 2026

Am 30. Mai 2026 war es wieder so weit: Die Mistelbach Pride ging zum fünften Mal am Mistelbacher Hauptplatz über die Bühne. Unter dem Motto #wirmiteinander setzten rund 1.000 Menschen ein starkes Zeichen für queere Sichtbarkeit, Vielfalt und Zusammenhalt im Weinviertel.

Was 2022 als kleine Bewegung begann, ist mittlerweile zu einer festen Tradition in der Bezirkshauptstadt geworden. Und auch wenn das Wetter heuer wirklich alles versucht hat – von Sonnenschein über Nieselregen bis hin zu Starkregen – ließ sich die Community nicht entmutigen. Im Gegenteil: Die Mistelbach Pride 2026 zeigte einmal mehr, wie viel Kraft entstehen kann, wenn Menschen gemeinsam für ein offenes, friedliches und respektvolles Miteinander einstehen.

Bunter Hauptplatz trotz Regenwetter

Schon zu Beginn füllte sich der Hauptplatz nach und nach mit bunten Fahnen, gut gelaunten Besucher*innen, Infoständen, Musik und vielen bekannten Gesichtern. Obwohl das Wetter kaum unbeständiger hätte sein können, blieb die Stimmung stark. Regen, Sonne, Platzregen, wieder Sonne und zwischendurch Nieselregen begleiteten den Tag – fast so, als hätte Mistelbach an diesem Samstag alle Wetterlagen gleichzeitig zeigen wollen.

Doch genau darin lag auch etwas Besonderes. Denn egal ob mit  Schirm, Pride-Flagge oder einfach guter Laune: Die Menschen blieben, feierten gemeinsam und machten sichtbar, dass queere Community auch am Land ihren Platz hat.

Der Paradenumzug durch Mistelbach

Ein besonderer Höhepunkt war auch heuer wieder der Paradenumzug durch die Mistelbacher Innenstadt. Laut, bunt und voller Energie zog die Pride durch die Straßen der Stadt. Es wurde getanzt, gesungen, gelacht und gemeinsam dem Regen getrotzt.

Zum ersten Mal mit dabei war die Gruppe Diplomats for Equality, eine Gruppierung verschiedener Botschaftsmitarbeiter*innen, die gemeinsam ein Zeichen für Toleranz, Gleichberechtigung und Sichtbarkeit in der Diplomatie setzen möchte. Ihre Teilnahme war ein schönes Zeichen dafür, dass die Mistelbach Pride mittlerweile weit über die Region hinaus wahrgenommen wird und Menschen aus unterschiedlichen Bereichen verbindet.

Gerade in einem ländlichen Raum wie dem Weinviertel ist dieser Moment jedes Jahr etwas Besonderes: Straßen, Plätze und Orte, die viele von uns seit der Kindheit kennen, werden für einige Stunden zu einem sichtbaren Raum für queeres Leben, Solidarität und Stolz.

Bühnenprogramm, Shows und Reden

Nach dem Paradenumzug ging es am Hauptplatz mit dem Bühnenprogramm weiter. Schirmherrin der diesjährigen Mistelbach Pride war die aus Hollabrunn stammende Drag Queen Kaisa Schmoan, die den Tag mit viel Charme, Präsenz und niederösterreichischem Pride-Spirit begleitete.

Das Showprogramm wurde heuer besonders von der Gruppe DragLab sowie dem Gesang von Necrosis geprägt. Beide sorgten für starke Bühnenmomente und machten deutlich, wie vielfältig queere Kunst, Performance und Ausdruck sein können.

Neben der Show waren auch die aktivistischen Reden wieder ein zentraler Bestandteil der Mistelbach Pride. Vor dem Rathaus sprachen Mistelbachs Bürgermeister Erich Stubenvoll, Vereinsobmann Michael Rabl, Andrea Brunner von der AIDS-Hilfe Wien, Charlie Wunn vom Verein VIMÖ – Verein intergeschlechtliche Menschen Österreich sowie Virgil Lintner von der Heublumen LGBTQIA+ Initiative.

„Wir stehen in Sonne wie in Regen da. Es ist wurscht, wen man liebt und wer man ist. An uns liegt es, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt und wir dürfen dem Hass keinen Raum geben, den andere sehen wollen. Wir wollen nicht Party machen, sondern ein Zeichen für Solidarität setzen – in der Stadt und am Land.“
Erich Stubenvoll
Bürgermeister Mistelbach

Warum eine Pride in Mistelbach wichtig bleibt

Die Mistelbach Pride ist ein Fest, aber sie ist nicht nur ein Fest. Sie ist ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass queere Menschen auch in ländlichen Regionen sichtbar sein dürfen. Ein Zeichen dafür, dass Vielfalt nicht nur in Großstädten Platz hat. Und ein Zeichen dafür, dass Zusammenhalt gerade dann wichtig ist, wenn die gesellschaftliche Stimmung rauer wird.

Auch der Verein Mistelbach Pride spürt, dass queere Sichtbarkeit nicht selbstverständlich ist. Im Vorfeld der Pride wurde der Veranstaltung erstmalig die Förderung des Landes Niederösterreich gestrichen. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass Pride-Paraden nicht zur niederösterreichischen Kultur gehören würden.

Für uns zeigt genau das, warum es Veranstaltungen wie die Mistelbach Pride weiterhin braucht. Denn queere Menschen sind Teil Niederösterreichs. Sie leben hier, arbeiten hier, gehen hier zur Schule, haben Familien, Freund*innen, Vereine, Nachbarschaften und Geschichten. Queeres Leben ist nicht importiert, nicht fremd und nicht nur urban. Es ist längst Teil unserer Region.

„Wir leben in einer Zeit, in der es als queere Person nicht immer leicht ist. Immer wieder wird versucht, unsere Community klein zu halten. Aber wir wollen zeigen, dass es anders geht. Dass Menschen, egal welcher Sexualität, egal welcher Identität und egal welcher Herkunft gemeinsam friedlich leben können, wenn man den Hass und die Intoleranz weglässt.“
Michael Rabl
Obmann Mistelbach Pride Verein

Wie die Pride ermöglicht wurde

Eine Veranstaltung wie die Mistelbach Pride entsteht nicht von selbst. Hinter dem bunten Tag am Hauptplatz stehen viele Stunden Planung, Organisation, Aufbau, Kommunikation, kreative Ideen, spontane Lösungen und vor allem sehr viel ehrenamtliche Arbeit.

Deshalb möchten wir uns an dieser Stelle von Herzen bei allen bedanken, die die Mistelbach Pride 2026 möglich gemacht haben: beim gesamten Team, bei allen freiwilligen Helfer*innen, bei unseren Partner*innen, Unterstützer*innen, Sponsor*innen, Künstler*innen, Redner*innen, Infoständen, Gastronom*innen und allen Menschen, die mit ihrer Zeit, Energie und ihrem Vertrauen Teil dieses Tages waren.

Ein besonderer Dank gilt auch der Stadtgemeinde Mistelbach, die die Veranstaltung seit Beginn begleitet und damit ein wichtiges Zeichen für Offenheit und Solidarität in der Region setzt.

Ohne dieses gemeinsame Engagement wäre die Mistelbach Pride nicht das, was sie heute ist: ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, sich gesehen fühlen und gemeinsam zeigen, dass Vielfalt auch am Land selbstverständlich sein sollte.

Danke an alle, die dabei waren. Danke an alle, die mitgeholfen haben. Danke an alle, die Mistelbach auch 2026 wieder ein Stück bunter gemacht haben. 🌈❤️

Eindrücke der Mistelbach Pride 2026